Aus dem Harz zurück: Wander-Reise diesseits des Harzes (23. – 26. Juni 2011)

Vor zwei Jahren bereits – im 100. Jubiläumsjahr 2009 – unternahm eine Gruppe des Ski-Klubs eine Busreise in den Harz. Bis auf die Erzgrube Samson in St. Andreasberg lagen alle Besuchs- und Besichtigungsziele in Sachsen-Anhalt: sei es die Wanderung von Schierke auf den Brocken und zurück – nur wenige benutzten die Schmalspurbahn -, der Besuch des Hexentanzplatzes in Thale, der Besichtigungsausflug in die UNESCO-Kulturerbe-Stadt Quedlinburg oder auf der Rückreise der Aufenthalt im schönen Wernigerode. Bei allen Aktivitäten zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite.

In diesem Jahr war es umgekehrt. Nur ein Ausflugsziel lag in Thüringen, alle anderen in Niedersachsen. Obwohl die Fahrt einen Monat später als vor zwei Jahren stattfand, war das Wetter wechselhaft. Wir hatten jedoch Glück. Bei stärkerem Regen saßen wir entweder im Bus oder waren bereits wieder in unserem Ferienhotel in St. Andreas-berg.

Nach der Ankunft im Hotel am Fronleichnamstag gab es zunächst einen deftigen Mittagsimbiss, und dann ging es auf zu einer geführten Wanderung entlang der „Oberharzer Wasserregale“, die vor kurzem in das UNESCO-Kulturerbe aufgenommen wurden. Es handelt sich hierbei um ein System von Gräben, teils oberirdisch und teils unterirdisch gegraben , die – unterbrochen von gestauten Teichen als Speicherbecken – das reichlich vorhandene Quell- und Regenwasser ins Tal führten, wo es dann die Wasserräder bewegte, die die im Bergbau eingesetzten Maschinen und den Umsteigeaufzug für den morgendlichen Abstieg und den abendlichen Aufstieg der Bergleute antrieben. Beim Besuch der Grube Samson vor zwei Jahren konnten wir dieses sehr effiziente Antriebssystem kennen lernen. Der Erzbergbau im Harz ist seit vielen Jahren wegen Unrentabilität zum Erliegen gekommen, aber die „Wasserregale“ werden noch heute im Rahmen regenerativer Energieerzeugung genutzt. Auf verschiedenen Bergniveaus – bis ins Tal hinein – treibt das Wasser Turbinen an, die im Sinne dezentraler Energieversorgung Strom erzeugen. St. Andreasberg z. B. deckt mit dieser sauberen Energie einen ‚erklecklichen’ Teil seines Strombedarfs.

Am Freitag ging es zunächst nach Hahnenklee, wo wir eine der schönsten hölzernen Stabkirchen auf deutschem Boden besichtigen konnten, die ansonsten eine typische Kirchenform in Norwegen darstellt. Danach ging es weiter nach Bad Harzburg mit anschließender Wanderung oder Seilbahnfahrt auf den Burgberg und weiter auf Schusters Rappen zum Luchsgehege an den Rabenklippen. Trotz eines mehr oder weniger bedeckten Himmels erlaubte das Wetter ab und an einen freien Blick auf den Brocken.

Nach dem Frühstück am Samstagmorgen stand die Fahrt zum Kyffhäuser-Denkmal bei Kelbra in Thüringen auf dem Programm. Dieses Monument gehört in die Zeit der aufkeimenden Nationalstaatssehnsucht des 19. Jahrhunderts und muss im Zusammenhang mit ähnlichen Anlagen wie dem „Niederwalddenkmal“ bei Rüdesheim, dem „Deutschen Eck“ in Koblenz, dem „Hermannsdenkmal“ bei Detmold, der „Porta Westfalica“ östlich von Bad Oeynhausen u. a. gesehen werden. Unterhalb des ‚protzigen’ Reiterstandbildes des ersten „Deutschen Kaisers“ Wilhelms I. wirkt das Denkmal des eigentlichen ‚Helden’ recht bescheiden. Friedrich I. Barbarossa , Kaiser des mittelalterlichen „Heiligen Römischen Reiches“ sitzt dort schlafend, bis er einstmals wiederkehren soll.

Am Nachmittag besuchten wir noch die bekannte Traditionsbrennerei Nordbrand in Nordhausen. Bei der Verkostung gab es nicht nur den berühmten ‚Nordhäuser Doppelkorn“, sondern auch andere schmackhafte, weniger alkoholreiche Liköre zu genießen.

Für Sonntag war die Rückreise angesagt – natürlich nicht ohne Unterbrechungen für schöne Besichtigungsziele. In Rhumspringe konnten wir die Quelle der Rhume – übrigens die größte Karstquelle Europas – bewundern. Danach ging es weiter nach Duderstadt mit seinen wunderschönen alten Fachwerkhäusern, wo eine längere Mittagspause eingeplant war, bevor es zurück nach Münster ging.

Wenn die Teilnehmer die beiden Harzfahrten von 2009 und 2011 Revue passieren lassen, so lässt sich sicherlich feststellen, dass sie zwei kurzweilige, lehrreiche, unterhaltsame und vor allem schöne Ausflüge genießen konnten. An dieser Stelle scheint es mir angebracht, zwei Mitgliedern des Ski-Klubs einen besonderen Dank auszusprechen: Hildegard Beckstedde und Wolfgang Hoffmann. Wenngleich beide in den verschiedenen Bereichen der Vorbereitung gewirkt haben, so gab es doch unterschiedliche Aufgabenbereiche. Hildegard – zusammen mit ihrem Mann Karl-Heinz – kennt den Harz von zahlreichen Aufenthalten her. So war sie hauptsächlich verantwortlich für Idee und Programm mit den entsprechenden organisatorischen Vorbereitungen. Wolfgang übernahm die – oft’ knifflige’- Aufgabe der Organisation und Durchführung (Hotelbuchung, Anmeldung der Führungen, Busbestellung, Ausschreibung, Finanzen etc.). Wieder einmal haben die ‚Alten’ gezeigt, was sie noch ‚drauf’ haben.

Fotos: Wolfgang Hoffmann